Welcome to the United States


„You have to go to the Main Terminal and there you will get your dog!”
Ein Herz zerreißendes Jaulen, das aus einer Hunde Box gleich neben uns dringt, bringt den Mann des Sicherheitsdienstes nur kurz aus dem Konzept. Der kleine Terrier darin, bibbert ängstlich und starrt mit aufgerissenen Augen durch die eng nebeneinander liegenden Gitterstäbe auf die wogende Menschenmasse.
„Heike Praschel…………Heike Praschel…“ höre ich derweil in einem Kauderwelsch aus englischen Wörtern aus einem der Lautsprecher dröhnen,
„Please…..Heike Praschel…..“
Nach zwei Stunden Autofahrt, drei Stunden einchecken am Flughafen und über zehn Stunden Flug hat mein Fremdsprachengedächtnis für einen Augenblick vollständig versagt, das Einzige was ich verstehe ist Hund und abholen.
„ Irgendwo muss sie doch sein!“ suchend rennen wir durch die Ankunftshalle, können Laika aber nirgends finden, die monotone Stimme die immer wieder meinen Namen leiert, raubt mir derweilen die Fassung.
„Ich werde aufgerufen, they call my name, and I am searching for my dog“
„Go to the main terminal! “
Immer wieder zeigt der Mann des Sicherheitsdienstes auf die nächste Tür, während ein anderer unser Gepäck, das wir gerade erst auf einen Wagen gestapelt haben, erneut auf ein Förderband schmeißt und ein Koffer nach dem anderen verschwindet darauf langsam in einem schwarzem Loch , das selbst das leuchtende Orange der Seesäcke nach nur wenigen Sekunden zum Erlöschen bringt.
Zwei Stunden schon sind wir jetzt in Seattle und seit einer auf der Suche nach unserem Hund. Es ist inzwischen fast halb fünf nach örtlicher Zeit, nach deutscher schon neun Stunden später, uns fallen die Augen zu und das obwohl draußen die Sonne mit 83°Fahrenheit (knapp 30°C) auf die Dächer brennt. Frühling in Seattle, WELCOME TO THE UNITED STATES!
Widerstandslos wanken wir durch die gläserne Tür, die auf einem S-Bahnsteig endet und klettern orientierungslos zwischen die vielen Menschen und Gepäckstücke der losrumpelnden Bahn, die nur wenige Minuten später mit einem Nerven raubenden Quietschen wieder zum Stehen kommt und wie im Delirium lassen wir uns von der Menschenmenge in die nächste Halle schieben. Lachende Gesichter tanzen um uns, Pärchen fallen sich Freude strahlend in die Arme, Kinder werden jauchzend in die Luft geworfen. Uns jedoch ist kaum nach Lachen zumute. Von unserem Koffern fehlt jede Spur, das Gepäckband unserer Airline, das wir erst eine halbe Stunde später finden liegt leer und verlassen im Terminal und auch Laika ist bis jetzt nicht aufgetaucht.
Hilfe suchend wende ich mich an eine blonde Stewardess:
„Condor?“ Sie schüttelt mit einem bedauernden Lächeln den hübschen Kopf,
They went home I think“ und zuckt verständnislos die Achseln über mein fassungsloses Gesicht.
„But they have my dog! “
„Sorry, I cannot help you! “ Mit Nachdruck deutet sie auf das große Schild hinter sich und schüttelt den Kopf.
ICELANDAIR prangt in goldenen Lettern auf dunklem Hintergrund
„I do not know anything about Condor! “
Na das fängt ja gut an!
Frustriert lasse ich mich auf eine metallene Bank rutschen, die gleich neben einer hoch frequentierten Rolltreppe im Boden verankert ist, die glatte Lehne klebt unangenehm kalt an meinem Rücken und die Mädchen beginnen endlich zu jammern. Unseren Start in Nordamerika hatte ich mir wirklich anders vorgestellt!
„Entschuldigen Sie bitte…“Laika-welcome-to-the-united-states
Ein Mann, dessen graue Schläfen und die aufrechte Haltung einen leicht englischen Charme versprühen, lächelt uns aufmunternd an.
„Wir waren im selben Flugzeug und mein Gepäck ist verschwunden. Da hinten auf dem letzten Fließband habe ich es gerade gefunden und ich hatte gerade den Eindruck Sie suchen auch.“
Und tatsächlich werden wir fündig! Auf dem Gepäckband einer falschen Airline stapeln sich unsere Koffer und Seesäcke und erleichtert reißen wir die Sachen vom inzwischen still stehenden Band. Nur von Laika fehlt immer noch jede Spur!
Ein Flughafenarbeiter, den Tom bei einem Rundgang entdeckt, kann uns aber endlich weiter helfen.
„Your dog is at the customs clearans! “. Laika “hängt” im Zoll und ohne Bordkarte kommen wir dort nicht mehr rein!
„That must have been a mistake! “ Er schüttelt den Kopf und grummelt etwas von “schlecht organisierten Flughäfen” dann beginnt er zu telefonieren und macht sich mit Tom erneut auf den Weg. Eine Stunde und drei Ganzkörperkontrollen später kann Laika endlich mit uns einreisen und völlig erledigt fallen wir im „Red Roof Inn“, einem Hotel nur 500m vom Flughafen entfernt, in die Federn.