Schulbus Umbau 2

 

Juni 2016, Chewelah, Kilometerstand: 225508 Miles

 

Tom steht lachend vor unserem Schulbus und strahlt mich an:

„Alles hat geklappt! Ab heute sind wir Besitzer von einem amerikanischen Schulbus Nr. 17, mit Versicherung und einer Umschreibung zum Wohnmobil!“

Erleichtert atme ich auf und fühle mich sofort besser, die letzten Tage hatten mir doch sehr aufs Gemüt geschlagen. Doch trotz  Sorgen war alles so gekommen wie wir gehofft hatten. Die Umschreibung zum Wohnmobil war ganz komplikationslos auf der Zulassungsstelle über die Bühne gegangen und selbst die Autoversicherung hatte uns als deutsche Besitzer akzeptiert, Gas- und Holzofen waren getestet und eingebaut.

Tom hält die lang ersehnten Fahrzeugpapiere wie ein Relikt in die Höhe und endlich können wir ans Aufbrechen denken. Knappe neun Wochen hatten wir jetzt im „Driveway“ von Chris und Margo campiert, hatten Toilette und Küche nützen dürfen und beide hatten uns nach allen Kräften unterstützt, jetzt  war es an der Zeit die Zelte abzubrechen und uns auf den Weg zu machen.

Die wenigen Dinge die  noch zu erledigen sind, können wir getrost auf später verschieben, das Öl sieht noch recht frisch aus, der Luftfilter sauber und kaum benützt. Jetzt müssen wir nur noch die Kupplung einstellen und morgen soll es losgehen!

Mit Schraubenschlüsseln bewaffnet kriechen Tom und Chris unter den Bus und machen sich an die Arbeit…

Einstellen, kuppeln, ein Stückchen fahren, einstellen….doch wer hätte es gedacht….die Kupplung kommt zu schnell, mit Einstellen ist hier kaum noch was zu machen, der Belag ist so gut wie runter.

Wir sind nahe daran, die Zulassungspapiere in den Müll zu stopfen, über die wir uns gerade noch so gefreut hatten, doch noch geben wir nicht auf. Noch ein bisschen schrauben, ein bisschen kuppeln…. immerhin schnurrt der Motor bis jetzt schön gleichmäßig… schrauben, kuppeln….für die ersten Kilometer wird’s wohl gehen!

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Schulbus Umbau 1: Regenwetter

Chewelah, Mai 2016, Kilometerstand: 225508 Miles

Der Hagel prasselt aufs Dach wie ein Maschinengewehrfeuer, und dicke Tropfen laufen über die Frontscheibe unseres Schulbusses, nach über einer Woche Hitze kommt endlich die lang ersehnte Abkühlung, die weitaus besser zu unserer Stimmung passt als das sonnige Sommerwetter.

„You need an inspection, I read that in the internet! “

Mit gerunzelter Stirn lauschen wir den Worten Chris, der sich die letzten Tage im Internet schlau gemacht hat.

Eine Inspektion von der State Patrol, um den Bus auf ein Wohnmobil umschreiben zu lassen, sonst darf Tom, der ja nur einen normalen Führerschein bis 7,5 Tonnen hat unser Schwergewicht nicht fahren.

„Da gibt es jede Menge Vorschriften, an die man sich beim Ausbau alten muss, euer Gasofen ist wahrscheinlich zu alt!“

Tom hatte erst vor ein paar Tagen etwas ganz anderes gelesen, wir waren davon ausgegangen, eine normale Umschreibung an der Zulassungsstelle wäre ausreichend und jetzt das.

Die ganzen Wochen hatten wir uns mit Fragen herum geschlagen, hatten versucht uns zurechtzufinden und alles Nötigste zu besorgen, was, wenn Chris Recht behalten sollte? Momentan waren wir nahe daran Alles hinzuschmeißen.

Tag für Tag waren wir mit dem Akkuschrauber bewaffnet durchs Auto geklettert, hatten die Sitzbänke ausgebaut, den Boden verlegt, Bretter verschraubt, Möbel gebaut und bis auf ein paar Kleinigkeiten hatte der Ausbau schon Gestalt angenommen. Von einer jungen Frau im Second Hand Shop hatten wir sogar den lang ersehnten Holzofen ergattert, dessen runde Form uns gleich begeistert hatte und eigentlich hatten wir so bald wie möglich aufbrechen wollen.

„Ach ja….“ Chris war noch nicht fertig gewesen mit seinen Ausführungen…Holzöfen sind grundsätzlich verboten.“

Na dann Prost Mahlzeit!

Wie auf Kommando begann es wieder zu regnen, graue Wolken hatten sich über uns zu einer dunklen Decke verwoben, die sich wie ein unheilvoller Schatten über Büsche und Bäume legte, selbst die Vögel waren verstummt und aus der Ferne grollte der erste Donner.

Für einen Augenblick hatten wir nicht die geringste Idee, wie wir jetzt weiter machen sollten. Die Öfen raus? Wie sollten wir dann heizen und kochen? Auf die Umschreibung verzichten? Oder erst einmal abwarten und die einfache Variante auf der Zulassungsstelle versuchen?

Bei einem warmen Tee im Kerzenschein am selben Abend, sind wir uns bald einig….um 8 Uhr öffnete die Zulassungsstelle….