Brrr…kalt….

 

Kanada, Kilometerstand: 226 230
Mit einem Nerven aufreibendem Quietschen und völlig außer Takt wischen die zwei Wischblätter über die geteilte Frontscheibe, drängen das Regenwasser in Sturzbächen auf die Seite und geben durch einen feuchten Schleier den Blick auf die Straße frei. Dichter Nebel zieht sich vom Teer bis zu den Baumwipfeln, dunkle Schatten am Straßenrand lassen sich nicht kaum mehr in Tier und Pflanze unterscheiden und die gerade einsetzende Dämmerung verschluckt auch noch das letzte Bisschen Sicht.
Eine Pfütze sammelt sich langsam auf der ersten Treppenstufe dazu steht das Wasser in den Fenstergummis und durch die hintere Türe kommen Stoßweise ganze Bäche von Spritzwasser.
Paula, in eine dicke Decke gehüllt, schaut unheilvoll aus dem Fenster.
Die Heizung funktioniert nicht, natürlich, und die feuchte Kälte zieht uns langsam in die Knochen.
„Zuhause war`s gemütlicher!“ Vor Paulas Mund bildet sich ein leichter weißer Nebel, die Scheibe vor ihrem Gesicht beschlägt und sie beginnt mit ihrem Finger ein Bild darauf zu zeichnen.
Gestern noch hatten wir vom Winter in Alaska geträumt, weißen Gipfeln und knirschendem Schnee, doch jetzt, umgeben vom trüben Grau sehnen wir uns nach der wärmenden Sonne des Sommers, auch wenn die Worte unserer neuen Bekannten aus Alaska einen gewissen Zauber hinterlassen haben.
Kurz nach dem Rodeo hatten wir in Williams Lake eine Familie aus Juneau getroffen und auch wenn wir bis dahin die Hauptstadt Alaskas noch nicht besucht hatten, hatten uns die Bilder der umgebenden Natur schon immer begeistert, eine kleine Oase der Zivilisation inmitten des größten Wildnis Gebietes der USA.
Während der Regen noch immer gegen die Fenster klatscht, muss ich an ihre Begeisterung für den Winter denken, trotz einer für uns kaum vorstellbaren Kälte.
„Die Stille ist unglaublich!“ Ich sehe Gletscher vor meinen Augen entstehen, stelle mir das geheimnisvolle blaue Leuchten der riesigen Eisflächen vor, während ich den Erzählungen lausche, sehe Wale aus den Fluten steigen und Berge von Schnee, die bis an die schäumenden Wellen reichen.
„Bei uns kannst du sogar die Schneeflocken fallen hören!“
Auch sie waren unterwegs, unterwegs wie wir in einem ausgebauten Schulbus, nur in die entgegengesetzte Richtung….den restlichen Sommer wollten sie mit ihren beiden Töchtern im Süden verbringen, wir dagegen im hohen Norden.
Die Tropfen trommeln einen leisen Rhythmus, während wir aus dem Fenster starren, kleine Brachflächen rauschen an uns vorbei im Wechsel mit dichtem Gebüsch und plötzlich bricht die Sonne verheißungsvoll aus einem schmalen Spalt in der Wolkendecke, vertreibt den feuchten Dunst über der Straße für einen kurzen Augenblick. Da sehen wir ihn:
Grau, schlank, die hellen Augen in einem wuchtigen Schädel. Ein Wolf steht direkt neben uns im Straßengraben, schüttelt das Wasser in einem dichten Sprühnebel aus seinem Fell. Dann hebt er die Schnauze in die Luft, wittert, verschwindet mit einem leichten Trab hinter dem nächsten Hügel. Und obwohl gleich darauf die Sonne wieder dem trüben Grau weicht, haben wir das schlechte Wetter zumindest für einen Augenblick völlig vergessen.

One thought on “Brrr…kalt….

  1. Brrrrr, ja. Wollt ihr wirklich den Winter im Norden verbringen oder „nur“ den restlichen Sommer? Huschala :-)
    Unsere Heizung funktioniert auch gerade nicht, aber bald haben wir eine richtig gute neue, dann kann der Winter kommen. Schnee würde ich mir auch wünschen.

    Schöne Weiterfahrt noch :-)

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