North Pole, wir kommen!

Alaska, auf dem Weg nach Fairbanks, Meilenstand: 228 062

„Keine Chance!“ Tom schüttelt frustriert den Kopf, dreht noch einmal den Zündschlüssel, obwohl es aussichtslos erscheint. Keuchend würgt der Motor eine, dann eine zweite Umdrehung, bevor er zum wiederholten Male ganz erstirbt.

Der Nieselregen hat sich inzwischen zu einem Platzregen ausgewachsen und klatscht mit einem lauten Prasseln gegen die Frontscheibe, durch die Bäume zieht leichter Nebel und eine klamme Kälte verbreitet sich langsam in unserem Schulbus…Hochsommer in Alaska, irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt: Wärme, leuchtendes Grün, Bären und naja…Mücken…

Wieder stöhnt der Motor, hustet wie ein Raucher mit Bronchitis und ich frage mich ärgerlich, warum wir gestern nicht gleich bis nach Fairbanks gefahren sind. Bis hier jemand kommt um uns Starthilfe zu geben, konnte noch Stunden dauern.

Doch dann ein Rucken und mein Kaffee, der auf der Ablage steht fängt in der Tasse an zu zittern. Mit einem letzten Keuchen endlich beginnt der Motor zu laufen und ich atme erleichtert aus. Auch Tom beginnt zu grinsen und selbst der klatschende Regen scheint dem Motor zu applaudieren.

Mit einem schmatzenden Geräusch rollen die Reifen aus der Parklücke und nur wenig später haben wir es auf den Richardson Highway in Richtung Fairbanks geschafft.

„North Pole 40 miles“ lesen wir auf dem nächsten Wegweiser,

„Na kein Wunder, dass es jetzt kälter wird!“ Paula strahlt, „Immerhin sind wir schon fast am Nordpol!“

Die dürren Spruce Bäume rauschen an uns vorbei, und das Grün leuchtet in der Feuchtigkeit wie gemalt. Lila Weidenröschen säumen die Straße, dahinter die dunklen Berge und endlich kommt die Realität meiner Vorstellung sehr nahe.

„Da…HALT….STOPP!“ Emma und Paula schreien aufgeregt und Tom drückt erschrocken auf die Bremse. Fast gleichzeitig taucht vor unserem Fenster ein riesiger Kopf aus dem Gestrüpp, große dunkle Augen mustern uns und etwas kleineres Wackeliges daneben zieht unsere Blicke auf sich wie ein Magnet. Ein Elch Junges steht neben seiner Mutter am Straßenrand und kaut auf den zarten Ästen eines kleinen Baumes, die dürren Beine staken aus den Gräsern, die langen Ohren wackeln interessiert in unsere Richtung und mit einem Mal ist die Realität doch um Längen besser wie jede meiner bisherigen Vorstellungen.

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