Eine wunderbare „Zwangspause“

 

Kanada, Kilometerstand: 227 347
„300 $“ Darcy blickt uns fragend an und nach einem zustimmenden Nicken Toms spricht sie weiter ins Telefon:
„Okay. Dann bestellen wir die Wasserpumpe und außerdem alle dazugehörigen Riemen, ja die Nummern habe ich…einen Moment…“ Dann buchstabiert sie all die Zahlen, die Tom auf einem kleinen Zettel zusammengeschrieben hat.
Tags zuvor hatte Tom in nur einer knappen halben Stunde alle seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt gesehen. Tatsächlich war nicht der Kühler das Problem, auch kein undichter Schlauch, sondern, wie gleich zu Beginn vermutet die Wasserpumpe.
„Wie lange dauert das?“ Tom und ich hängen an Darcys Lippen
„vier Tage? Okay.“ Dann wendete sie sich an uns: „Er ruft an, wenn die Teile da sind!“
Zu unserem Glück hatte sich Darcy dazu bereit erklärt, die Telefonate mit dem Ersatzteilhandel für uns zu erledigen, meist fiel es uns nicht leicht, die verschiedenen Slangs am Telefon zu verstehen.
Wir atmeten auf. Vier Tage waren ein Zeitrahmen, den wir verkraften konnten, dazu die Reparatur. In insgesamt einer Woche hofften wir wieder unterwegs sein zu können.
Wie schon tags zuvor war mir wieder bewusst, wie viel Glück wir gehabt haben, genau zum richtigen Zeitpunkt hatte die Pumpe den Geist aufgegeben.
Was wenn wir die Panne schon mitten auf dem Dalton Highway gehabt hätten? Hunderte Kilometer ohne Siedlungen und Menschen, inmitten der Einsamkeit Alaskas?
Hier in Whitehorse dagegen hatten wir alles was wir für die Reparatur brauchten, Werkzeug, Übersetzungshilfe und da uns der Abschied sowieso schwer gefallen wäre, genießen wir jetzt die zusätzlichen Tage, die uns so „in den Schoss gefallen“ waren.
Neben uns ertönt lautes Gelächter. Emma und Paula haben Leo auf sein kleines Wägelchen gesetzt und versuchen gemeinsam den Bollerwagen durch die große Matschpfütze hinter der Werkstatt zu ziehen. Schlamm spritzt, die Reifen schwellen auf die dreifache Größe an und Leo scheint seinen Spaß zu haben, wir trinken in der Zwischenzeit gemütlich Kaffee.
Jetzt ist erst einmal Zeit für eine Pause…
Die nächsten Tage vergehen dann auch wie im Flug. Mit einem Motorboot erkunden wir den Yukon und den Lake Laberge, wandern durch eine alte „Indianersiedlung“, spielen mit Leo und den Huskys und erkunden in immer größeren Kreisen die Umgebung um unser gelbes Zuhause. Die Mädchen planen in der Zwischenzeit schon für die Wintermonate und ihre ersten Rennen:
„Wenn dann endlich Schnee liegt, fahren wir auch mit den Hundeschlitten, wie alt muss man überhaupt sein um beim Iditarod mitzufahren?“
Die Kälte, meinen Beide, sei überhaupt kein Problem und zumindest Emma ist sich sicher:
„Wenn ich groß bin, werde ich Musher! Und wenn wir schon wieder fahren müssen, nehmen wir am besten schon mal einen Husky mit!“

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