Endlich in Chewelah…

Als ich zum ersten Mal die Augen öffne, ist es draußen noch stockfinster, nur das schummrige Licht zweier Straßenlaternen wirft einige verschwommene Schatten in unser Zimmer. Die roten Ziffern der Digitalweckers zeigen 11.30 örtlicher Zeit, also halb neun in Deutschland und die Kinder wälzen sich unruhig in den Betten. Laika dagegen schläft wie ein Stein neben einem abgewetzten Sessel in der Ecke und schnarcht rasselnd wie ein Kettenraucher.

Die Nacht ist warm und der Duft frischen Flieders weht durch das geöffnete Fenster, während vor dem Hotel ein einsamer Hund mit seinem Herrchen seine Runden dreht blinkt gegenüber die Leuchtreklame einer Tankstelle.

Erinnerungen der letzten Reise durch die USA schwirren durch meinen Kopf, viel Vergessenes ist plötzlich wieder da und lang Verdrängtes wird mit nur einem Schluck wieder zur Realität: Leitungswasser schmeckt nach Schwimmbad, ohne Chlorfilter nicht trinkbar und erst ein Gang zur Tanke schafft unserem nächtlichen Durst mit einer Gallone Quellwasser Abhilfe.

Auch die dazu gekauften Sandwiches lassen Erinnerungen wach werden, das Preisniveau ist hoch und die Qualität fragwürdig. Trotz eines stolzen Preises von über 5 $ schmeckt das italienische Geflügelsandwich eher nach Pappe und schlechtem Senf als nach einem mediterranem Genuss.

Zwei Grauhörnchen balancieren inzwischen vor unserem Fenster über die gespannten Telefonleitungen in Nachbars Garten und über uns leuchtet der Schneebedeckte Gipfel des Mount Rainier. Selbst hier inmitten der Stadt scheint ein Teil der Wildnis seinen Platz zurück zu fordern und trotz des schlechten Geschmackes im Mund ergreift mich plötzlich ein Gefühl des Abenteuers. Ungezähmte Tiere, ein Stückchen Wildnis im Zentrum von Seattle und wir sind endlich mitten drin.

Leihwagen in den USA

„Emercency call….emercency call…one second!”

Neun Uhr am nächsten Morgen:

„Emercency call…Hallo…“

Zusammengepfercht sitzen wir im neuen Leihwagen, der letzte Koffer klebt zwischen Hundebox und Wagendecke und nur Laikas hektisches Schnaufen unterbricht die monotone Stimme die aus den Lautsprechern schnarrt.

„emercency call….how can I help you?”

Gerade wollten wir uns auf den Weg nach Spokane machen, von dort sollten uns Chris und Margo nach Chewelah zu unserem Schulbus fahren.

„…how can I help you…?“

Die  Stimme bekommt langsam einen deutlich fordernden Unterton und will partout nicht aufhören zu sprechen, selbst ein hektisches Drücken aller Knöpfe kann daran nichts ändern, anscheinend haben wir beim Einstellen des Rückspiegels die falsche Taste erwischt…die „emercency call Taste“.

„…Hello….?“Unterwegs über die Cascades

„Äääähhhh….this was a mistake….“ einige gestammelte Entschuldigungen später fahren wir auf dem Highway in Richtung Osten, über die Schnee bedeckten Gipfel der Cascades weiter bis nach Spokane, mit Chris und Margo bis nach Chewelah und endlich, endlich sind wir da.

Groß und leuchtend sticht unser neues Zuhause aus dem frisch sprießendem grünen Gras, die schwarz gelbe Schnauze des International thront  hummelgleich über den roten Blüten einiger Tulpen und scheint nur auf uns gewartet zu haben.

…welcome home… Unser amerikanischer Schulbus

One thought on “Endlich in Chewelah…

  1. Wow, that’s an interesting and exciting adventure you’re on. Our family wish you all well and it’s been nice having you next door while converting the bus.

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